Dogs on the Couch

House of the Dead II – Rezension

November 6, 2006 · Kommentar schreiben

Zum Glück kein “Bollwerk”

CoverDer Nachfolger des letzten Regiewerks von Uwe Boll (”House of the Dead”) wurde unter der Regie von Michael Hurst mit dem Drehbuch von Mark A. Altman inszeniert, zwei alten Bekannten, die schon einige Dinger zusammen gedreht haben (”Room 6″, “The Darkroom”). Macht ihn das jetzt besser? Ich habe keine Ahnung, denn ich kenne den Vorgänger zu “House of the Dead II” nicht, gehe also ganz unbeschwert an die Scheibe. Es beginnt als – offensichtlich absichtlich – unglaublich schlecht inszenierter Spaß an einem beliebigen amerikanischen College…

Als Soldaten verkleidete Studenten schleichen sich mit Wasserpistolen (neudeutsch “Super Soaker” genannt) an das Haus einer weiblichen Verbindung ran, um dieses anschließend zu entern. Hier gibts schon mal etwas Erfreuliches: Hübsche Studentinnen, die vorzugsweise unbekleidet und kopflos durch das Haus laufen. Herrlich. Die eine oder andere schmutzige Situation und sexuelle Anspielung später stolpert eine junge Dame des Abends direkt vor das Auto von Professor Curien (Sid Haig, Captain Spaulding aus “The Devil’s Rejects”, hier in seiner Rolle verschenkt). Dieser beschleunigt das nahende Ableben des Unfall-Opfers mit dem Schlag einer beeindruckenden Rohrzwange auf dessen Kopf und schafft das Mädchen in sein Labor am Uni-Campus, um dort Versuche an ihr durchzuführen.

Der Professor ist über die Maßen enttäuscht, als er es auch dieses Mal nicht schafft, mit seinem “Serum” Tote wieder auferstehen zu lassen… Zumindest scheint es so. Tatsächlich funktioniert das Experiment aber sogar recht gut, denn als er der Toten den Rücken zuwendet und sich in Selbstmitleid suhlt, steht diese prompt auf und beißt den Professor in den Hals. Somit ist der Grundstein für eine weitere Zombie- (oder “Hyper Sapiens”, wie sie hier genannt werden) Plage gelegt. Erste Biss-Opfer des Professors finden sich in der Küche eines benachbarten Restaurants und später überall auf dem Universitäts-Campus.

Dieser Campus gewinnt auch dementsprechend schnell die Aufmerksamkeit oberster Regierungskreise, die kurzerhand beschließen, das Übel auf zwei Wegen zu bekämpfen: Ein Team von spezialisierten “A.M.S. Agenten”, bestehend aus Dr. Alex Morgan (Emmanuelle Vaugier, “Saw II”) und Jake Ellis (Ed Quinn) sowie die obligatorischen Truppe Special Forces, angeführt von Seargant Dalton (Sticky Fingaz), sollen das Gebiet “säubern” und vor allem den ersten “Hyper Sapiens” finden, um aus dessen Blutprobe einen Anti-Virus zu gewinnen, der die gesamte Menschheit retten könnte. Allerdings bleibt ihnen für dieses Unterfangen nur wenig Zeit, denn zur Sicherheit hat die Regierung weiterhin beschlossen, das gesamte Uni-Gelände weiträumig mit Atombomben zu bedecken.

Um mit der eigentlichen Kritik zu beginnen, stelle ich zuerst mal die Frage, warum der Film eigentlich “House of the Dead II” heißt? Welches Haus ist gemeint? Sollte der nicht besser “Campus of the Dead” heißen? Wenigstens einen passenden Subtitel hätte man dem Film spendieren können. Naja, sei’s drum. Was aber bereits am Anfang extrem störend auffällt, sind die vielen kleinen und größeren Continuity-Fehler. Im Laufe des Films wird nahezu jeder Charakter mindestens einmal mit Blut besudelt. Die Flecken in Gesichtern oder auf der Kleidung aber wechseln lustig ihre Position – mal links, mal rechts, dann wieder ganz weg… Das passiert wohl, wenn das Geld für ein Script Girl gespart werden muss. Der zweite nervende Aspekt ist die Personen-Konstellation dieser “Special Forces”. Selten hat man einen derartigen Haufen herumirrender Deppen gesehen. Realistisch oder nicht, zumindest irgend etwas halbwegs soldatenhaftes sollten Soldaten haben. Hier sind sie entweder total ängstlich, penetrant irre und sadistisch oder einfach nur tumb.

Auf der Haben-Seite befinden sich die Hauptdarsteller Emmanuelle Vaugier und Ed Quinn, die im Rahmen der filmischen (und ihrer darstellerischen?) Möglichkeiten agieren, wenigstens aber nicht negativ auffallen. Alles in allem ist es ja immer ein Stück weit überflüssig, schauspielerische Leistungen in einem Film dieser Art zu beurteilen, aber erwähnen möchte ich es doch. Die Zombies selbst sind – getreu der neuen Doktrin aktueller Zombie-Filme – nicht nur langsam, sondern fallweise träge, hin und wieder aber auch schnell und zielstrebig (in der Aussicht auf Beute). In den Extras wird dem “Zombie-Training” der Statisten etwas Raum gewärt, was ich ganz nett anzuschauen fand. Was passiert aber nun mit Zombies in Zombie-Filmen? Richtig: Meist werden sie erschossen. Da macht auch dieser Film keine Ausnahme und so besteht erwartungsgemäß der Großteil der Action aus “Jagdszenen” in diversen Räumen, Kellern oder Rohren der Universität. Ebenso erwartungsgemäß wird der Film in diversen Einstellungen seiner Freigabe gerecht. Rot ist die dominante Farbe und Schuss- und Austritts-Wunden gibt es in Hülle und Fülle.

Positiv an “House of the Dead II” ist, dass sich der Film selbst nicht so ernst nimmt. Einige Anspielungen und Scherze sind tatsächlich gut für ein Schmunzeln (die Einsatztruppen machen ihre Schießübungen mit “Paris Hilton”-Figuren). Der Großteil der Ereignisse nach dem Vorspann des Films spielt im übrigen “29 Days later” (vielleicht schon wieder etwas zu offensichtlich). Der Genre-Fan findet hier mit absoluter Sicherheit noch viele weitere Anspielungen auf andere Filme.

Technisch gesehen ist die DVD – Ton und Bild – absolut ok. Die “Make Up”-Effekte sind passabel und nicht zu billig ausgefallen. Wer sich den Film allerdings mit den Audio-Kommentaren antut, dem muss ich gratulieren. Mich hat die ultimative Lobhudelei nach wenigen Minuten so gestört, dass ich abgebrochen und den Film normal angeschaut habe. Um an den Anfang meiner Rezension zurück zu kehren: Da der Film anscheinend nichts mit seinem Vorgänger gemein hat und auch keinerlei Andeutungen zum Video-Spiel gemacht werden, sieht diese Fortsetzung für mich ein bisschen nach “Cheap Cash” Methode aus. Letzten Endes ist die grundlegende Story-Idee ja auch nicht unbedingt wahnsinnig innovativ: Ein Team von “Spezialisten” wird geschickt, um die Menschheit vor dem Übel der Zombies zu bewahren. Vielleicht besorge ich mir lieber eine Light Gun und spiele das Original-Spiel? (th)

Kategorien: Horror
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