Dogs on the Couch

Die gutherzige Frau Geum-ja

Mai 13, 2008 · Keine Kommentare

Zuerst die schlechte Nachricht: Charlize Theron spielt die Hauptrolle im Hollywood-Remake des koreanischen Thriller-Dramas “Sympathy for Lady Vengeance”. Mehr Schlechtes gibt es aber zum Glück nicht zu sagen, denn was Park Chan-Wook mit “Lady Vengeance” präsentiert, stellt den einzigartigen Abschluss seiner Trilogie zum Thema Rache, beginnend mit“Sympathy for Mr. Vengeance” über “Oldboy”, dar.Die eigentliche Geschichte des weiblichen Racheengels erzählt sich dabei recht schnell in einem Satz: Als sie nach 13 Jahren Gefängnis aus der Haft entlassen wird, in dem sie wegen Kidnapping und Mord an einem kleinen Jungen saß, beginnt Lee Geum-ja (Yeong-ae Lee), ihren lange ausgefeilten Racheplan in die Tat umzusetzen und den wahren Mörder Mr. Baek (Min-sik Choi, “Oldboy”) seiner verdienten Strafe zuzuführen.

BeispielKlingt wie eine Vorlage zu einem billigen, bleihaltigen Action-Streifen, was es zweifelsohne auch hätte werden können, wenn der Regisseur ein anderer als Chan-wook Park gewesen wäre. Der hat insbesondere mit dem zu Recht vielgepriesenen “Oldboy” bewiesen, dass man aus einer an sich recht simplen Story ein symbolhaft-komplexes, visuell beeindruckendes und packendes Drama entstehen lassen kann. Allerdings steht die Gewalt - Rache selbst ist schließlich meist gewalttätig - in Form von durchaus explizit dargestellten und ästhetisierende Grausamkeiten sowohl in “Oldboy” wie auch hier in “Lady Vengeance” im Mittelpunkt der Inszenierung. “Lady Vengeance” ist nicht weniger gewalttätig als die beiden Vorgänger, die filmische Umsetzung ist allerdings weniger drastisch und mehr im Sinne des “Kunstkino”. 

BeispielWährend Geum-Ja ihren Racheplan verfolgt, werden wir durch eine kunstvoll arrangierte Folge von Rückblenden, eingeschnittenen Nachrichtenbildern und Traumsequenzen in die Vorgeschichte und Beweggründe der jungen Geum-ja eingeführt. Auf der einen Seite hängt “Lady Vengeance” sich dabei nahezu permanent eng an die Aktionen seiner Hauptfigur, verfolgt sie, gewährt teilweise durch Voice over auch Einblicke in ihr Innenleben, bleibt aber gleichzeitig immer auch auf Distanz. Die Handlung wird nicht entschuldigt oder gerechtfertigt, ebenso fehlt dann auch das Quentchen Mitgefühl (sympathisch ist diese zumindest für mich nicht).

Schuld daran, wenn man so will, ist die Inszenierung des Films selbst - man könnte es Instrumentalisierung nennen. Allgemein zeigt der Film einen faszinierend hohen Grad an Filmkunst, dass damit auch etwas an Authentizität verloren geht (wobei ich bezweifle, dass Authentizität hier gewollt war). “Lady Vengeance” ist effektlastig, gewalttätigt und blutig, bis ins kleinste Detail perfekt durchinszeniert. Nichts und niemand steht hier “einfach so” im Bild, man sieht dem Film förmlich an, wie viel Sorgfalt der Auswahl von Einstellungen, Locations und Austattung gewidmet wurde. Besonders beeindruckt das Spiel mit Farben und Ausleuchtung. 

BeispielIn diesem Zusammenhang (aber auch nur in diesem) ist auch die der Edition beiliegende “Director’s Version” interessant, in der dem Film Stück für Stück und szenenweise Farbe bis zum schwarz-Weiß genommen wird. Die gewählten Musikstücke von Vivaldi und Paganini tragen akustisch gesehen ihren Teil zum opernhaften Charakter der Inszenierung bei.

Ein paar Worte zu den Extras, die sich hier auf einer eigenen Scheibe finden (auf DVD 1 sind lediglich einige Trailer zu u.a. “Oldboy” und “Bubba Ho-Tep”): Neben dem obligatorischen, aber recht interessanten Making Of gibt es hier Portraits der wichtigsten Charaktere sowie eine in mehrere Kapitel unterteilte Dokumentation zum Stil des Films zu sehen. Da der “Wille zum Stil” dem Film in jedem Bild anzusehen ist, kann man sich das durchaus auch anschauen. Darüber hinaus bietem die Extras noch einige Texttafeln und Bindegliedern - sicherlich weniger spannend. Die Messlatte ist gelegt, Charlize! (th)

Kategorien: Drama · Rezensionen
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